31.01.2018 campus-leben

Frankfurter Verlagsanstalt

joachim unseld und britta boerdner zu gast

Fast 60 Auszubildende hatten sich am Abend des 31. Januar in der Piper-Lounge eingefunden, um von Siegfried Unseld etwas über die Frankfurter Verlagsanstalt (FVA) zu erfahren. Der bekannte Verleger war in Begleitung der Autorin Britta Boerdner erschienen, die vor kurzem ihren zweiten Roman bei der FVA veröffentlicht hat.

Joachim Unseld, der als Sohn des bekannten Suhrkamp-Verlegers Siegfried Unseld eigentlich die Nachfolge seines Vaters übernehmen sollte, war 1990 bei Suhrkamp ausgeschieden und hatte in der Folge 1994 die Frankfurter Verlagsanstalt übernommen. Mehr als der Name ist bei dieser Übernahme allerdings nicht geblieben, sodass man wohl eher von einem Neustart sprechen kann. Mit diesem Neustart war jedoch auch eine bewusste strategische Entscheidung verbunden: Die Frankfurter Verlagsanstalt sollte ein kleiner Verlag bleiben, der auf eine gründliche Betreuung der – meist jungen und unbekannten – Autoren und ein sorgfältiges Lektorieren setzt. Dabei ist es bis heute geblieben. Der Erfolg gibt dabei Unseld und seinen drei Mitarbeitern recht. Zahlreiche Autoren sind mittlerweile preisgekrönt. So hatte beispielsweise Bodo Kirchhoff 2016 den Deutschen Buchpreis gewonnen.

Nach der gelungenen Verlagsvorstellung leitete Unseld über zu Britta Boerdner und ihrem Roman «Am Tag, als Frank Z. in den Grünen Baum kam». Boerdner führte das Publikum zunächst in ihren Roman ein, der in der mittelhessischen Provinz des Jahres 1969 angesiedelt ist. Der «Grüne Baum», eine typische Kneipe in der Wetterau, ist der Ort, an dem die Einheimischen erstmalig mit gerade in den Ort gekommenen Frank Z., unschwer erkennbar durch einen bekannten amerikanischen Musiker inspiriert, zusammentreffen und den «langhaarigen Dackel» misstrauisch bis feindselig beäugen. Diese Szenerie, erzählt durch die Hauptfigur Ev, die sich von dem «Gammler» Frank Z. sichtlich angezogen fühlt, dient Boerdner dazu, das Heimische und das Fremde aufeinandertreffen zu lassen und nicht nur eine Geschichte über die Umbrüche in der Bundesrepublik um 1970 zu erzählen.

Die Auszubildenden lauschten gebannt der Autorin, die mit nur einigen Seiten ihres Romans das Charakteristische an der Provinz – nicht nur Mittelhessen und nicht nur 1969 – eingefangen hat. Der Grat zwischen sich heimisch und wohl fühlen und einer hohen sozialen Kontrolle mit starker Ablehnung des Fremden ist manchmal doch eben sehr schmal.

Nach der Lesung nutzten die Auszubildenden die Gelegenheit, um dem Verleger und der Autorin Fragen zu stellen. Daraus entstand eine spannende Abschlussdiskussion, die auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung noch lange fortgesetzt wurde. Zudem konnten sich die Auszubildenden noch über mitgebrachte Leseexemplare freuen. Wir danken der Frankfurter Verlagsanstalt, Joachim Unseld und Britta Boerdner für den großartigen Abend und die schönen Leseexemplare.

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