22.05.2018 campus-leben

abend mit gerstenberg

maja nielsen zu gast

Fast 50 angehende Buchhändler und Medienkaufleute waren am 22. Mai in die Piper-Lounge gekommen, um den Verlag Gerstenberg und die renommierte Autorin Maja Nielsen kennen zu lernen. Für das Hildesheimer Verlagshaus war Andrea Deyerling-Baier nach Frankfurt gekommen, die für den Bereich Presse und Öffentlichkeit zuständig ist.

Nielsen, die ursprünglich studierte Schauspielerin ist, hat in den letzten 20 Jahren eine beeindruckende Zahl von Sachbüchern für Kinder und Jugendliche verfasst. Vor fünf Jahren erschien mit «Feldpost für Pauline» Nielsens erster Roman. In diesem Roman setzte sie sich mit dem Thema Erster Weltkrieg auseinander. Ihr neuer Jugendroman «Tatort Eden 1919», den sie den Auszubildenden des 203. Berufsschulkurses an diesem Abend vorgestellt hat, ist quasi die Fortsetzung von «Feldpost für Pauline», kann aber auch eigenständig gelesen werden.

Nach kurzer Vorstellung durch Frau Deyerling-Baier führte Nielsen die Auszubildenden in die Geschichte von «Tatort Eden 1919» ein. Wie schon im Vorgängerroman verknüpft sie für die Erzählung eine historische Figur mit einer Figur aus dem aktuellen Zeitgeschehen. Im Jahr 2015 kommt der aus dem Sauerland stammende Biko, Sohn eines ghanaischen Vaters und einer deutschen Mutter, nach Berlin, um dort an der Artistenschule zu studieren. Biko, der seit seiner Kindheit den brasilianischen Kampftanz Capoeira macht, wird durch eine Kette von Missverständnissen – und nicht ohne Situationskomik – auf dem Berliner Hauptbahnhof für einen jungen unbegleiteten Flüchtling gehalten und eine Reihe ehrenamtlicher Helfer, darunter die gleichaltrige Lizzy, nehmen sich seiner an. Zunächst aus Überforderung nicht in der Lage, das Missverständnis aufzuklären, zeigt sich recht schnell, dass eine Aufklärung bedeuten würde, Lizzy nicht mehr zu sehen. Im weiteren Verlauf kommt Biko an der Artistenschule in den Besitz eines Koffers aus dem Fundus, in dem sich ein Brief findet, der ihn in die revolutionäre Situation in Berlin zu Beginn des Jahres 1919 zieht. Biko setzt sich auf diesem Weg mit der Umbruchssituation nach dem Ersten Weltkrieg auseinander und erfährt durch den Brief gleichsam aus erster Hand von den Ereignissen um einen der bekanntesten Mordfälle der deutschen Geschichte: Im Berliner Hotel Eden, in dem im Januar 1919 die konterrevolutionäre Soldateska um Hauptmann Waldemar Pabst residierte, wurden die beiden prominentesten Angehörigen des Spartakusbundes, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht misshandelt und ermordet. Durch den Blick auf die beiden, zunächst nicht zusammengehörig erscheinenden Ereignisse und Situationen von 1919 und 2015 gelingt es Nielsen die Verschärfung der Gegensätze in der Gesellschaft zu beiden Zeiten herauszustellen und dies gerade einem jungen Leserkreis näher zu bringen.

Nielsen, 2013 vom Börsenverein als «Lesekünstlerin des Jahres» ausgezeichnet, stellte bei der Lesung ihr ganzes Können unter Beweis und hatte ihr Publikum schon zu Beginn in den Bann gezogen. Für die Veranstaltung hatte sie darüber hinaus auch für die passende Dekoration gesorgt und einen großen, sehr alten Koffer, Matrosenhemd und rote Fahne eingepackt, die für das passende Ambiente sorgten. So wurde die Lesung und die anschließende Diskussion ein voller Erfolg. Der Gerstenberg Verlag hatte den Auszubildenden zudem noch eine besondere Überraschung mitgebracht. Auch wenn «Tatort Eden 1919» erst ab Juni im Buchhandel erhältlich ist, bekamen sie jetzt schon vorab Leseexemplare, welche die Autorin ihnen selbstverständlich gerne signierte. Wir danken dem Verlag Gerstenberg, Andrea Deyerling-Beyer und der Autorin Maja Nielsen für den großartigen Abend, die fulminante Lesung und die schönen Leseexemplare.

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