08.05.2018 campus-leben, veranstaltungen

c. h. beck zu gast

auftakt des abendveranstaltungsprogramms

Der Abend des 8. Mai stand ganz im Zeichen des großen Themas Migration und Flüchtlinge. Fast 40 Auszubildende waren zum Auftakt des Abendveranstaltungsprogramms im 203. Berufsschulblock mit dem Münchner Verlag C. H. Beck und dem Autor Herrn Prof. Dr. Karl-Heinz Meier-Braun in die Piper-Lounge gekommen. Meier-Braun, deutschlandweit anerkannter Experte in Migrationsfragen, stellte sein Mitte März veröffentlichtes «Schwarzbuch Migration» den Schülerinnen und Schülern vor. Seit fast vier Jahrzehnten beim Südwestrundfunk (SWR) tätig, war Meier-Braun viele Jahre Leiter der Redaktion SWR International und zudem seit 1995 der erste Integrationsbeauftragte bei einer Landesrundfunkanstalt – eine Stelle, deren Einrichtung er selbst hatte durchsetzen können. Neben seiner journalistischen Tätigkeit ist Meier-Braun Honorarprofessor für Politikwissenschaft an der Universität Tübingen und Mitglied zahlreicher Institutionen, die sich mit Migrationsfragen beschäftigen.

In seinem Buch hat sich Meier-Braun insbesondere mit den Schattenseiten der deutschen Flüchtlingspolitik befasst. Gleich zu Beginn seines Vortrags räumte er mit dem Mythos der offenen Grenzen 2015 auf und konnte zeigen, dass es sich nicht um eine genuin humanitär angelegte, sondern vielmehr eine aus der Not geborene Politik handelte. Das zivilgesellschaftliche Engagement im Sommer 2015 ist z. T. ohne jede staatliche Unterstützung erfolgt. In einem kurzen historischen Abriss betonte er darüber hinaus, dass Flüchtlinge – seien sie aus den Ostgebieten des Deutschen Reichs in der Nachkriegszeit, der ehemaligen Sowjetunion oder dem Balkan – in den letzten fast sieben Jahrzehnten immer wieder Anfeindungen und klischeelastigen Zuschreibungen ausgesetzt waren, die zum Teil untereinander absolut austauschbar waren und sind. Mehrfach kritisierte er in seinem spannenden Vortrag die aktuelle Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, indem er sowohl innen- als auch außenpolitische Aspekte als zum Teil fragwürdig hervorhob. Dass die Flüchtlingskrise seit 2015 kein deutsches, sondern ein europäisches Problem darstellt und dass einige Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sich weder an Verträge und Absprachen bei der Verteilung der nach Europa Geflüchteten halten, stellte der Migrationsexperte ebenfalls deutlich heraus. Auch hier sind, so Meier-Braun, die europäischen Staaten gefragt, eine gemeinsame Lösung für die humanitäre Katastrophe und das Leid der Flüchtlinge zu finden.

Im zweiten Teil der Veranstaltung hatten die Auszubildenden nun Gelegenheit Meier-Braun Fragen zu stellen, die schnell in eine spannende Diskussion zwischen Gast und Publikum mündeten. Diese Diskussion war auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung keineswegs beendet und wurde vielmehr in lockerer Runde fortgesetzt. Der Verlag hatte den Auszubildenden dankenswerterweise Leseexemplare zur Verfügung gestellt, die unser Gast gerne noch signierte. Wir danken dem Verlag C. H. Beck und Herrn Professor Meier-Braun für den gelungenen Abend und die schönen Leseexemplare.

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