Was treibt den Handel um – und wie kommen Teams ins Tun?
Speakerinnen: Andrea Ludorf und Annabelle Spreckelsen-Hüchtmann
Moderation: Klaudia Steimle
Zwischen Kostendisziplin, Omnichannel und Erlebnis
Andrea Ludorf machte deutlich, welche Themen den Handel aktuell besonders beschäftigen: Kostendisziplin, eine starke Omnichannel-Präsenz, der Einsatz von KI, erlebnisorientierte Stores, exklusive Sortimente und Kundenbindung durch Community und Events. Am Beispiel von Dussmann das KulturKaufhaus zeigte sie, wie eine Markenstrategie zum Orientierungsrahmen für das gesamte Unternehmen werden kann. Ausgangspunkt waren klar definierte Personas und die Frage: Welche Bedürfnisse, Werte und Erwartungen haben unsere Kund:innen – und was bedeutet das für unser Unternehmen? Eine Strategie entfaltet ihre Wirkung jedoch erst dann, wenn sie im Arbeitsalltag ankommt. Sie muss verständlich sein, Orientierung geben und Handlungsspielräume schaffen. So können Teams eigenständig Entscheidungen treffen, ohne jedes Detail immer wieder grundsätzlich verhandeln zu müssen. Auch die Digitalisierung von Bestellprozessen bei Dussmann erforderte weit mehr als die Einführung einer neuen Software. Die automatische Disposition veränderte Zuständigkeiten, Arbeitsabläufe und Stellenprofile. Damit ein solches Projekt gelingt, braucht es deshalb eine sorgfältige Analyse, interdisziplinäre Teams, klare Zielbilder und ausreichend Zeit für Unvorhergesehenes.
Machen, nicht irgendwann – sondern jetzt
Annabelle Spreckelsen-Hüchtmann nahm die Teilnehmenden anschließend mit in die Transformation der Marke Fressnapf. Die Herausforderung: ein neues Logo, eine internationale Dachmarkenarchitektur, der Ausbau des E-Commerce und eine konsistente Umsetzung an zahlreichen Kontaktpunkten – von der App über Newsletter und Onlineshop bis zum stationären Store. Bei 11 Ländern, rund 1.900 Stores und zahlreichen Stakeholdern wurde deutlich: Eine Marke lässt sich nicht allein durch ein neues Logo verändern. Entscheidend ist, dass alle Beteiligten verstehen, warum die Veränderung notwendig ist und wie sie konkret umgesetzt werden kann. Ein zentraler Erfolgsfaktor war deshalb der Media Hub. Über Vorlagen, Styleguides und flexibel nutzbare Materialien konnten Mitarbeitende und Franchisepartner die Marke eigenständiger und konsistenter in die Praxis übertragen. Gleichzeitig blieb Raum für lokale Besonderheiten und unterschiedliche Anforderungen der Märkte. Annabelle betonte außerdem die Bedeutung von Fokus und Priorisierung. Nicht jedes Vorhaben muss gleichzeitig umgesetzt werden. Oft ist es wirkungsvoller, ein klares Ziel zu definieren, sich auf wenige Kanäle zu konzentrieren und den nächsten konkreten Schritt festzulegen.
Ob internationaler Konzern, Kulturkaufhaus oder kleiner Pop-up-Store: Umsetzung beginnt mit Klarheit. Menschen müssen wissen, warum eine Veränderung notwendig ist, was ihr eigener Beitrag dazu ist und welche Werkzeuge ihnen zur Verfügung stehen. Dabei helfen Strategie, Kommunikation, Wissen und der Mut, Dinge auszuprobieren. Der Digital Lunch Talk hat gezeigt: Komplexität lässt sich nicht vollständig vermeiden – aber sie lässt sich strukturieren. Wer Prioritäten setzt, Verantwortlichkeiten klärt und Teams befähigt, kommt vom Plan ins Tun.